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Mit Spinnennetzen Mikroplastik fangen

Ergebnisse lassen R√ľckschl√ľsse auf die unterschiedliche Belastung innerst√§dtischer Luft mit Plastikteilchen zu

Fliegen, M√ľcken, Staub und sogar Mikroplastik – Spinnennetze fangen auf, was sich durch die Luft bewegt. Forscherinnen der Universit√§t Oldenburg haben nun erstmals die Fangnetze der Achtbeiner an innerst√§dtischen, unterschiedlich stark befahrenen Stra√üen auf kleinste Plastikteilchen untersucht.

K Mag Spinnenetz

Bild: Spinne im Netz vor schwarzem Hintergrund. Im Vordergrund bunte Lichtpunkte; Copyright: Unsplash
In zahlreichen Spinnennetzen bleibt Mikroplastik hängen. Sie geben so den Mikroplastik-Gehalt der Umgebungsluft an. Quelle: Unsplash

Sie fanden vor allem den Kunststoff PET, vermutlich aus Textilien, au√üerdem Teilchen, die aus dem Abrieb von Autoreifen stammen, sowie Polyvinylchlorid, kurz PVC. Die gefundenen Mengen an Plastikteilchen waren abh√§ngig vom jeweiligen Standort. Spinnennetze, schlussfolgert das Team, seien ein einfaches und g√ľnstiges Mittel, um die Verunreinigung der Luft durch Mikroplastik in der Stadt zu √ľberwachen und besonders belastete Bereiche zu identifizieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Science of the Total Environment" erschienen.

"Spinnen kommen weltweit vor, auch in St√§dten. Ihre klebrigen Netze sind eine ideale Falle f√ľr alles, was durch die Luft schwebt", erl√§utert Dr. Barbara Scholz-B√∂ttcher, Mikroplastik-Expertin am Institut f√ľr Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universit√§t und Leiterin der Studie. Aus verschiedenen Untersuchungen sei bekannt, dass in den Gespinsten Schadstoffe wie Schwermetalle oder magnetische Partikel h√§ngenbleiben.

"Bisher hat jedoch noch niemand Spinnennetze auf Mikroplastik untersucht", sagt die Geochemikerin – und das, obwohl auch unsere Atemluft zunehmend mit Mikroplastik verunreinigt ist. Um herauszufinden, ob sich Mikroplastik in Spinnweben nachweisen l√§sst und es bestimmte Verteilungsmuster gibt, sammelte Bachelor-Studentin Rebecca S√ľ√ümuth f√ľr ihre Abschlussarbeit zu verschiedenen Zeitpunkten Spinnennetze aus dem oberen Bereich halb√ľberdachter Bushaltestellen. Die Haltestellen befanden sich entlang unterschiedlich befahrener Stra√üen im Stadtgebiet Oldenburg. Im Labor wurden die Proben aufbereitet und die an den Netzen haftenden Teilchen auf Filtern konzentriert. Diese untersuchte das Team zun√§chst mikroskopisch und fand beispielsweise Fasern, die von Textilien stammen k√∂nnten, sowie Ru√üpartikel. Anschlie√üend erhitzten sie die Proben unter Sauerstoffausschluss bei sehr hohen Temperaturen (Pyrolyse) und trennten die aus den Plastiksorten gebildeten Bruchst√ľcke mit einem Gaschromatographen. Ein nachgeschaltetes Massenspektrometer erm√∂glichte die Zuordnung und Bestimmung der verschiedenen Kunststoffarten.

Das Ergebnis: "Alle Spinnennetze waren mit Mikroplastik verunreinigt", berichtet Isabel Goßmann, die im Rahmen ihrer Promotion an der Studie beteiligt war. Bei manchen machte der Plastikanteil sogar gut ein Zehntel des Gesamtgewichts eines Netzes aus. Fast 90 Prozent des Plastiks bestand aus PET (Polyethylenterephthalat), PVC und Material von Autoreifen. Der Anteil an Reifenabrieb schwankte dabei stark Рabhängig vom Verkehr auf der anliegenden Straße.

"Unsere Ergebnisse deuten au√üerdem darauf hin, dass der Abrieb von Stra√üenmarkierungen als eine weitere wichtige Quelle zur Mikroplastikfracht entlang von Stra√üen beitr√§gt", erl√§utert Scholz-B√∂ttcher. Die Forscherinnen fanden zudem Hinweise darauf, dass sich die kleinen Plastikteilchen erstaunlich schnell in den Spinnennetzen ansammeln. Nach Ansicht von Scholz-B√∂ttcher biete die Methode eine einfache Alternative zu aufw√§ndigen Messungen, um den Mikroplastik-Gehalt der unmittelbaren Umgebungsluft vergleichend einzusch√§tzen. Dies k√∂nne etwa im Rahmen von weiterf√ľhrenden toxikologischen Untersuchungen von Bedeutung sein.


Quelle: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

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